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Erfahrungsaustausch für internationale Studierende 3. März 2017  |  Infoveranstaltungen, Topmeldung

364 so genannte Bildungsausländer studieren derzeit an der MHH. Diese Studierenden sind nicht nur mit einem anspruchsvollen Studium, sondern auch mit einer mehr oder weniger fremden Sprache und einer anderen Kultur konfrontiert. Wie man es trotz aller Widrigkeiten schaffen kann, erzählte Prof. Dr. med. Hüseyin Bektaş, der in den 80er Jahren aus dem kurdischen Teil der Türkei nach Deutschland kam, auf einem Infoabend des MHH-Alumni e.V..

Prof. Dr. Bektas (li.) im Gespräch mit Studierenden (Foto: Bernsmann/MHH)

Prof. Dr. Bektaş, 1961 geboren in Nordkurdistan, kam nach dem Abitur nach Deutschland. Mit dem deutschen Pendant vergleichbar war seine Schulbildung jedoch nicht. In seiner Heimat hatte ihn ein einziger Lehrer in allen Fächern unterrichtet. Das Wissen des Lehrers bestimmte das Curriculum, und so fehlte es Bektaş vor allem an Physik- und Chemiekenntnissen, die ihm sein Lehrer nicht hatte vermitteln können. Als Medizinstudent schloss er die Wissenslücken in Eigeninitiative über eigene Weiterbildungen und Nachhilfeunterricht. Darüber hinaus arbeitete er im Nachtdienst, um sich etwas Geld zu verdienen.

Inzwischen ist Prof. Dr. Hüseyin Bektaş Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie am Klinikum Bremen-Mitte und bezeichnet sich selbst als bremischen Hannoveraner mit kurdisch-türkischen Wurzeln und preußischem Einfluss. Er hatte nie das Gefühl, dass er als ausländischer Arzt von den Patienten nicht akzeptiert werde. Allerdings habe es in seiner Zeit als Oberarzt auch Situationen gegeben, in denen (türkische!) Patienten seinen deutschen Assistenzarzt mehr beachteten als ihn. Jetzt, da er Chefarzt sei, trete dieses Phänomen jedoch nicht mehr auf. Bektaş berichtete im Rahmen des Infoabends von diesen und vielen anderen Erfahrungen und gab den aktuellen internationalen Erstsemestern folgende Tipps mit auf den Weg:

Lernen, lernen, lernen!

Knüpfen Sie Kontakte, wo es geht!

Grenzen Sie sich nicht aus, sondern gehen Sie überall, wo es möglich ist, auf andere zu - im Wohnheim, auf ASTA-Parties. Kochen Sie gemeinsam mit anderen Studierenden oder machen Sie sonstige Unternehmungen mit Ihren Kommilitonen.

Auch ein Nebenjob im Klinikbetrieb kann helfen, z.B. im Nachtdienst.

Wenn man direkten Kontakt mit den Patienten hat, lernt man die Mentalität und Eigenarten der Menschen in einem Land sehr gut kennen.

Lassen Sie sich nicht entmutigen!

Es ist selbstverständlich, dass man sich als Neuling aus dem Ausland mehr anstrengen muss als die Muttersprachler. Da hilft nur Lernen. Aber, wenn man sein Ziel nicht aus den Augen verliert, verliert man auch nicht die Kraft, es weiter zu verfolgen.

Werden Sie sich früh darüber klar, wo Sie später praktizieren wollen.

Wenn Sie nach Studium und Facharztausbildung in Ihre Heimat zurückkehren möchten, sollten Sie kontinuierlich mit der Heimat in Kontakt bleiben. Versuchen Sie auch, das Gesundheitssystem Ihrer Heimat möglichst früh "von innen" kennen zu lernen, in dem Sie z.B. Ihre Famulatur oder das PJ dort absolvieren. Andernfalls werden Sie später große Schwierigkeiten im Umgang mit Patienten und auch Kollegen haben, denn Mediziner sprechen in jedem Land ihre eigene Berufssprache. Patienten haben in jedem Land ihre eigene Art, ihre Leiden zu beschreiben. Selbst Arztbriefe sind von Land zu Land verschieden.


Am Ende des ebenso informativen wie gemütlichen Abends war man sich einig: „Wir bleiben in Kontakt.“